Wir schauen den alten Kelten auf die Finger!

Die Grabung im Krofdorfer Forst im Sommer 2007

Landesamt für Denkmalpflege Hessen NFG-Nr. 130/2007

Ein Projekt von: Archäologie im Gleiberger Land e.V.

Im Juli und Anfang August führte der Verein Archäologie im Gleiberger Land e.V. auf Initiative der Gemeinde Wettenberg, Kreis Gießen, eine Nachgrabung in einem der Hügel der Grabhügelgruppe „Drei Küppel“ im Krofdorfer Forst durch. Obwohl die Hügel seit langem dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen bekannt sind (Orts­akten Wettenberg Nr. 17), ist nichts bekannt über die Zeitstellung der Denk­mäler; zudem ist der nördlichste der drei Hügel extrem stark durch eine rezente illegale Ausgrabung gestört. Auch über diesen massiven Eingriff ist nichts bekannt, weder über den Urheber noch den Zeitpunkt noch die Ergebnisse oder Funde dieser Maßnahme. Deutlich erkennbar sind zwei tiefe Schneisen, die den Hügel kreuzweise durchziehen.

Geländemodell

Digitales Geländemodell der „Drei Küppel“, Blickrichtung etwa Süden. Deutlich erkennbar sind die massiven Störungen im nördlichen Hügel (vorn rechts).

Rund vier Wochen lang dauerte die Grabung im zerstörten nördlichsten Hügel der „Drei Küppel“. Ziel der Maßnahme war einerseits die Klärung des Aufbaus eines Grabhügels, andererseits die Dokumentation der Raubgrabung und die Vermessung dieser und der benachbarten Bodendenkmäler.

Umfangreiche Gelände-Aufmessungen in diesem Bereich und bei zwei weiteren, z.T. vorher noch nicht bekannten (d.h. in den Ortsakten verzeichneten) Hügeln wurden dazu durchgeführt. Durch diese detaillierte Aufnahme können nun digitale Gelände­modelle erstellt werden, die die Denkmäler in dem stark bewaldeten Gebiet deutlicher und klarer darstellen lassen, als dies etwa durch Fotos möglich ist.

Die Hügelgruppe liegt auf einem leichten Höhenrücken in Sichtweite des Dünsbergs nahe einem Waldweg, der den Krofdorfer Forst in Nordwest-Südost-Richtung durchzieht; an dieser Stelle macht der Weg einen kleinen Bogen um die Hügel herum, knapp 70 Meter vom westlichsten Hügel entfernt. Nur wenig östlich der „Drei Küppel“ und 8–10 Meter tiefer liegt ein vierter Hügel, direkt an einen Waldweg angrenzend (der allerdings auf der Katasterkarte nicht eingezeichnet ist). Vom nördlichen der „Drei Küppel“ rund 270 Meter in nordöstlicher Richtung entfernt liegt ein weiterer großer Grabhügel[1]. Obwohl durch eine Senke von den „Drei Küppeln“ getrennt, liegt er auf etwa derselben Höhe.

In dem bereits weitgehend zerstörten Nordhügel der „Drei Küppel“ wurde ein 1,5 Meter breiter (im Mittelteil etwas breiterer) und rund 40 Meter langer Schnitt durch die Mittelsenke angelegt. Diese war bis rund ca. 50 cm Tiefe stark humos verfüllt, ein Baum in der Senke ist mindestens 80 Jahre alt; dies lässt Rückschlüsse auf den Zeitpunkt der Raubgrabung zu. In der schichtweisen Abtragung des Geländes konnte durch die Ansammlung von Steinen und eine deutliche Verfärbung der „Raubschacht“ klar erfasst werden; die Steine stammen wohl von einer Steinpackung um die Grabkammer, die aber in dem Schnitt selbst nicht erfasst werden konnte; sie befindet sich vermutlich westlich des Schnittes.

Störung

Störung mit Verfärbung und Steinschüttung in verschiedenen Plana: Links Planum 3, Mitte Planum 4, rechts Planum 5.

Im Vorfeld war mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen die Anlage nur eines Schnittes abgesprochen worden, so dass eine Erweiterung nicht im Umfang der erlaubten Maßnahmen enthalten war. Trotz sorgfältiger Grabung kamen fast keine Scherben oder andere datierende Funde in der Aufschüttung des Grabhügels oder im Verlauf des Raubschachtes zutage. Daher konnten leider keine näheren Aufschlüsse zur Datierung des Grabes gewonnen werden.

Zum Aufbau und zur Struktur des Grabdenkmals konnten allerdings einige wesent­liche Details geklärt werden: Es gab einen Steinkranz aus sorgfältig gesetzten Steinen mit einem Durchmesser von 15 m. Teilweise handelt es sich um über 50 cm große Steinblöcke, die senkrecht in kreisförmiger Anordnung gesetzt wurden, vermutlich als Abgrenzung des Denkmals. Trotz des nur sehr schmalen Bereiches, der innerhalb des Schnittes freigelegt werden konnte, zeigte sich diese Konstruktion sehr eindrucksvoll.

Steinkranz

Steinkranz. Links im Norden, rechts im Süden des Hügels.

An einer Stelle, 9 bis 10 m vom nördlichen Steinkranz entfernt, fand sich ein nur sehr schwach erkennbarer Spitzgraben von geringer Tiefe; am Südende konnte er hingegen nicht festgestellt werden; vermutlich lag er entweder außerhalb des Schnittes oder ist durch stärkere Erosion an dieser Stelle nicht mehr erhalten; zu klären wäre dies lediglich durch eine Erweiterung der Grabungsfläche.

Der Grabhügel selbst war auf dem anstehenden Boden mit weitgehend sterilem Boden aufgeschüttet worden. Infolge von Bodenbildungsprozessen waren deutliche Manganausfällungen im Schüttungsbereich erkennbar; ebenso zeigte sich eine sehr harte, vermutlich kalkhaltige Ausfällungsschicht, die etwa parallel zur alten Oberfläche des Hügels verläuft. Im Profil ist dieser Verlauf deutlich unterbrochen im Mittelbereich, in dem sich die rezente Raubgrabung befindet.

Schnitt

Links: nördlicher Hügelteil, rechts: südlicher Hügelteil; die Ausfällung innerhalb der Hügelschüttung ist als heller Streifen erkennbar, der durch die rezente Raubgrabung gestört ist (Mittelteil).

Fazit

Die rund vierwöchige Vermessungs- und Ausgrabungskampagne konnte mit Hilfe eines nur sehr schmalen Grabungsschnitts recht erfolgreich durchgeführt werden. Während wichtige Details zur Konstruktion des Grabhügels geklärt werden konnten, muss die Frage zur Datierung und zum Aufbau und Inhalt der Grabkammer leider offen bleiben. Eine illegale Raubgrabung fand offenbar vor mindestens 80 Jahren statt. Die im Schacht aufgefundenen Steine lassen auf eine Steinabdeckung der Grabkammer der Zentralbestattung schließen.

 

 

 

Lageplan

 

 

 

 

 

Lageplan. Links Waldweg, oben nördlichster der drei Hügel. Die blauen Markierungen sind moderne Störungen (Raubgrabungen, Baumwürfe etc.).

 

 

GrabungsplanGrabungsplan mit Skizze: möglicher Spitzgraben außen, heutiger Umriss des Grabhügels und Steinkranz (Mitte). Grün eingezeichnet sind heutige Bäume, blau Störungen (Baumwürfe, Raubgrabungen).

 

Danksagung

Wir danken allen ehrenamtlichen Mitarbeitern unseres Vereins für die tatkräftige Mitarbeit, der Gemeinde Wettenberg für die finanzielle Unterstützung, der Firma Schunk für die Verpflegung und den namhaften finanziellen Beitrag durch die Firmenmitgliedschaft in unserem Verein, den Bäckereien Volkmann und Valentin, dem REWE Nahkauf Markt, dem REWE Markt Lotz, der Volksbank Wißmar, der Gleiberg-Apotheke, der Fa. Haier Haushaltsgeräte, dem Autohaus Eichstädt, dem Wettenberger Reisebüro, der Baumschule Rinn, der Fa. Barth Baggerbetriebe, der Fa. Garten- u. Landschaftsbau Schleenbecker, der Forstverwaltung sowie allen weiteren Sponsoren und privaten Förderern unserer Arbeit. Für die kostenlose Leihgabe einer Totalstation danken wir Herrn V. Heine, Vermessungsbüro Heine, Linden, sowie für die messtechnische Unterstützung Herrn Schäfer, Fellingshausen.

 

 
   



 
 

Dr. Claudia Nickel

Archäologie im Gleiberger Land e.V.

Anhang: Vermessung

Für die Vermessung wurde eine Totalstation vom Typ Leica Rec Elta 14 verwendet. Ausgelesen wurden die Daten mit der Software ZeissEd for Windows 1.64, die Datenweiterverarbeitung erfolgte mit SingulArch Ver. 6.2, die Erstellung des Grabungsplans mit AutoCAD 2004. Ein AutoCAD Plan mit den Katastergrundlagen wurde dankenswerterweise vom Hessischen Landesamt für Boden­mana­ge­ment und Geoinformation, Amt für Bodenmanagement Marburg (Herr Velte) zur Verfügung gestellt, Vermessungspunkte wurden von unserem Vereinsmitglied, Herrn Döpfer, festgesetzt.


 

[1] Koordinaten: r 3473247 / h 5611738. In den Ortsakten ist unter Nr. 18 „ein großer Grabhügel“ verzeichnet. Die angegebenen Koordinaten (r 3473310 / h 5611580) liegen etwa zwischen diesem und dem zuvor genannten Grabhügel östlich der „Drei Küppel“.


Einladung zur JHV

Am Samstag, den 09. Februar 2008, um 16.00 Uhr findet im Landgasthof „Zum Dünsberg“, 35444 Biebertal-Fellingshausen, Helenenstr. 14, im Kaminzimmer unsere dritte Jahreshauptversammlung statt.
Auch Gäste sind herzlich willkommen.

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