Nov 052015
 

Die diesjährige Ausgrabung des Vereins Archäologie im Gleiberger Land e.V. fand während der vier Wochen vom 13.07.2015 – 07.08.2015 statt.Ziel der Ausgrabungen war es, einen der forstwirtschaftlichen Rückewege zu untersuchen, welcher in den vergangenen Jahren angelegt wurde und in Zukunft auch weiter durch Hessenforst genutzt werden wird. Der betroffene Weg verläuft genau durch den Siedlungsbereich des keltischen Oppidums am sog. „Osthof“ des Dünsbergs, zwischen dem oberen und mittleren Ringwall gelegen. Vorangegangene Ausgrabungen lassen vermuten, dass es sich hier um einen dicht besiedelten Bereich des Oppidums handelt. Lesefunde aus Voruntersuchungen, bei denen es sich z. T. um keltische und römische Waffenfunde handelte, unterlegten die Notwendigkeit einer Untersuchung des betroffenen Gebietes.

 Die Ausgrabung fand auf einer Fläche von insgesamt 28 x 5 m Umfang statt, welche wiederum schachbrettartig in sechs kleinere Schnitte unterteilt wurde. Von diesen konnten drei geöffnet und untersucht werden. Dabei wurden zahlreiche Keramikfragmente, Metallfunde, Steinartefakte, sowie verkohlte Getreidereste und Reste eines verkohlten Holzpfostens, der mit Sicherheit Bestandteil eines Gebäudes gewesen ist, geborgen. Aufgrund der hohen Anzahl an Funden, in erster Linie Keramik, und der wenigen, jedoch z.T. komplizierten Befunde, konnten die restlichen drei Flächen nicht geöffnet werden und bleiben kommenden Grabungskampagnen vorbehalten.

 Zu diesen Befunden gehören zwei in Fläche 5 gelegenen Befunde, bei denen es sich zunächst um Pfostengruben zu handeln schien, was bei genauerer Untersuchung jedoch nicht bestätigt werden konnte. Statt dessen wurde deutlich, dass diese Befunde großflächig freigelegt werden müssen, um sie entsprechend interpretieren zu können. Da die Befunde jedoch erst gegen Ende der vierwöchigen Kampagne angetroffen wurden war dies nicht mehr möglich. Statt dessen wurde die Fläche mit Fleece ausgelegt und vorläufig verfüllt, damit im Folgejahr die Untersuchungen mit der Genauigkeit und Ruhe durchgeführt werden können, die der Befundsituation angemessen ist.

 Ein zweiter Teil der Untersuchungen erstreckte sich auf eines der nahegelegenen, dem Dünsberg zugehörigen Gräberfelder. Hier war durch vorherige Prospektionen die Lage zweier Bestattungen bekannt, welche dringend geborgen werden sollten, ist das Gräberfeld doch verschiedenen Gefährdungen (Forstwirtschaftliche Eingriffe, Wildschweinaktivitäten und Raubgräberei) ausgesetzt. Dementsprechend wurden während der vierwöchigen Maßnahmen die beiden Gräber geborgen und entsprechend dokumentiert, so dass diese nahtlos den Untersuchungsergebnissen der Vorjahre angefügt werden können und das Gesamtbild weiter ergänzen.

 Wie in den vergangenen Jahren verlief die Grabung hervorragend, sowohl im Hinblick auf die Grabungsergebnisse als auch die Einsatzfreude und Begeisterung der Grabungsteilnehmer. Als einziger negativer Beigeschmack bleibt zu bemerken, dass erneut frische Bodeneingriffe festgestellt werden konnten, die auf illegale Sondengänger / Raubgräber hinweisen.

 Insgesamt haben an den diesjährigen Ausgrabungen 27 ehrenamtliche Mitarbeiter – sowohl bekannte Gesichter als auch einige Neuzugänge – teilgenommen, darunter auch zwei Fachstudenten (Université Paris-Sorbonne und Phillips-Universität Marburg). Wie üblich wurden die Grabungsteilnehmer täglich durch die Bäckerei Volkmann mit Brot/Brötchen und Firma Schunk mit Mittagessen versorgt. Die Unterkünfte der Grabungsteilnehmer aus entfernten Teilen der Bundesrepublik wurden durch den Verein Archäologie im Gleiberger Land e.V. gestellt.

 Bildmaterial: Daniel Misterek  
Bildmaterial: Daniel Misterek Bildmaterial: Daniel Misterek

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