Mrz 232016
 
JHV AGL 2016

v.l.: Dr. Claudia Nickel, Arnold Czarski und Dr. Regine Müller

FELLINGSHAUSEN – (mf). „Wo stehen wir – wo wollen wir hin?“, fragte Dr. Regine Müller beim Verein für Archäologie im Gleiberger Land. Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung (der Anzeiger berichtete) beschäftigte sich die Archäologin in ihrem Vortrag mit dem Thema „Neue Forschungsergebnisse vom keltischen Dünsberg bis zur mittelalterlichen Burg Vetzberg“. Beide sind, wie auch der Gleiberg, bekannte und weithin sichtbare Landmarken, die ein hochinteressantes Betätigungsfeld für die archäologische Forschungsarbeit darstellen. Besonders der Dünsberg hat durch diese Wissenschaft seinen Bekanntheitsgrad in den vergangenen Jahrzehnten ausbauen können. Nachdem 1999 für fünf Jahre unter der Regie der Römisch-Germanischen-Kommission wieder Grabungen stattfanden, erwuchs nach einem Grabungsstop hieraus der Archäologieverein, der diese Arbeiten mit viel und vor allem ehrenamtlichen Engagement fortführt. Die Erwartungen an den 500 Meter hohen Berg sind weiterhin hoch: Grabfelder, Hohlwege, Grenzgräben, mittelalterliche Wüstungen und Hügelgräber sind heute noch mehr oder weniger sichtbare Zeichen frühgeschichtlichen Lebens. Erst 1,2 Prozent der Fläche, die es zu untersuchen lohnt, wurden bislang in der jährlichen Saison durchforstet, erklärte Müller. Die Wallanlagen des Dünsbergs sind prägend als einstige Befestigung des Oppidums und wurden zum Teil unter Leitung von Dr. Claudia Nickel, der Vorsitzenden des Vereins für Archäologie, untersucht. Auch sogenannte Importfunde lassen Rückschlüsse auf Handel zu. Bei der Wasserversorgung war in erster Linie nach Darstellung der Expertin der Schulborn eine ergiebige Quelle, an der bei Funden Dentrodaten erhoben werden konnten, die auf eine Hochphase der Besiedelung in der Spätlatenezeit hindeuteten und sich damit mit den anderen Fundergebnissen und Auswertungen decken. Um den Dünsberg seien fünf Bestattungsfelder bekannt – seit 2008 konzentrieren sich die Grabungen des Archäologievereins auf einen Teil dieser Gräberfelder. Als eine immer noch vorhandene, massive Bedrohung bezeichnete Regine Müller die Raubgrabungen. Forstarbeiten, Windbruch und Wildschweine seien weitere Gefährdungspotenziale für die Archäologie am Dünsberg. In der Überleitung zu den Ausblicken sprach die Referentin am Beispiel von Schleuderbleien einen interessanten Aspekt der Fundanalyse an. Bei den Vergleichen der Materialzusammensetzung dieser Funde lassen sich aufgrund bekannter Rohstoffvorkommen Rückschlüsse auf die Lagerstätten ziehen. Bei diesen Untersuchungen spricht man von Bleiisotopenanalytik.

Quelle: Giessener Anzeiger, Foto: Mattern

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