Führungen für Mitglieder und Freunde der Archäologie im Gleiberger Land e.V.
10.09.2011
Kostenlose Führung zu den Grabanlagen “Am Lammert” und zu den Hügelgräbern “Drei Küppel”
Beginn: 13 Uhr, Dauer ca. 4 Std.
Treffpunkt: Parkplatz am Dünsberg
Für die Führungen können Sie sich bei mir anmelden:
Arnold Czarski Tel: 06409 2338
Grabung Juli 2011
Keltische Urnenbestattung vor vollständiger Zerstörung bewahrt
Wie bereits in den vergangenen Jahren führte der Verein „Archäologie im Gleiberger Land e.V.“, im Auftrag der hessischen Landesarchäologie, archäologische Grabungen zur Bestandsaufnahme gefährdeter Flächen im Bereich des keltischen Oppidums am Dünsberg bei Gießen durch. Dabei wurden im Vorfeld von geplanten Durchforstungsmaßnahmen, in Absprache mit dem örtlichen Förster, Rückewege im Umfeld von bekannten Siedlungsflächen und Grabanlagen systematisch untersucht.
Durchgeführt wurden die Grabungen von Mitgliedern des Vereins und weiteren ehrenamtlichen Helfern unter der Leitung der Gießener Archäologin Regine Müller.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Untersuchungen standen die Flächen eines Waldstückes mit keltischen Grabgärten, die aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Dünsberg dem einstigen Oppidum zugeschrieben werden dürfen. Die Kelten der Latène-Kultur legten großflächige geometrische Strukturen an, in deren Umgebung sie die verbrannten Überreste der Verstorbenen in Urnen beisetzten. Da zur Ausholzung der Wälder tonnenschwere Vollernter, genannt Harvester, zum Einsatz kommen, sind die Strukturen und somit auch die sie umgebenen Bestattungen stark gefährdet. Bereits Jahre zuvor kam schweres Gerät zum Einsatz und hinterließ auf den Rückewegen tiefe Fahrspuren. Da bei einer ersten Grabung im Jahre 2008 bereits zerstörte Urnen innerhalb der Fahrspuren entdeckt wurden, sollten diese weiter untersucht werden, um die Hinterlassenschaften der Kelten für die Wissenschaft und somit das kulturhistorische Erbe zu sichern. Wünschenswert wäre allerdings der forstwirtschaftliche Verzicht auf die betreffenden Waldstücke und damit der vollständige Schutz dieser seltenen Bodendenkmäler – ein Wunsch, der sich leider kaum realisieren lässt.
Bei den Grabungen stießen die Archäologen in einer Tiefe von rund 15 cm auf eine vollständige und nahezu unversehrte keltische Urnenbestattung. Diese war in einer mit Steinen ausgekleideten Grube beigesetzt worden, welche den vergleichsweise guten Erhaltungszustand begünstigte. Denn aufgrund der Lage unterhalb der Fahrspur wurde die Urne (Fotographie) zwar stark gestaucht, blieb aber in ihrer Gesamtheit erhalten und konnte mit dem sie umgebenen Erdreich in einem Block geborgen werden.
Es ist jedoch anzunehmen, dass bei einer erneuten Befahrung durch den Harvester auch diese Bestattung weiter zerstört worden wäre, denn in unmittelbarer Nähe fanden sich noch zwei weitere Urnen. Diese waren jedoch aufgrund ihrer oberflächennahen Deponierung und der direkten Lage unterhalb der Fahrspur nahezu vollständig zerstört. Neben vereinzelten Wandscherben und einem Urnenboden konnte von beiden Bestattungen noch etwas Leichenbrand geborgen werden. Weitere wichtige Details und große Teile des Inhalts gingen durch die Zerstörung verloren.
Vor Allem der für die Wissenschaft entscheidende Inhalt der Urnen ist nach seiner Freisetzung der Witterung ausgeliefert und geht unwiederbringlich innerhalb weniger Jahre verloren. Dazu zählen zum Einen die Überreste der verbrannten Gebeine, welche Aufschluss über Alter, Geschlecht und den Gesundheitszustand der verstorbenen Person geben können, und zum Anderen weitere Grabbeigaben wie zum Beispiel Reste von Gewandspangen (sog. Fibeln), welche eine zeitliche Einordnung des Fundes zulassen.
Die Grabung konnte wie immer auf eine Vielzahl von freiwilligen Helfern und die Unterstützung von ortsansässigen Unternehmen zurückgreifen. So konnten sich die Teilnehmer auch in diesem Jahr über täglich frische Brötchen der Bäckerei Volkmann und eine hervorragende Mittagsverpflegung aus der Kantine der Firma Schunk freuen. Beide Heuchelheimer Unternehmen engagieren sich seit über 10 Jahren für die Grabungen am Dünsberg und stellten die Verpflegung kostenfrei zur Verfügung. Für die umfängliche Organisation zeichnete der 2. Vorsitzende Arnold Czarski und für die Bereitstellung des vereinseigenen Bauwagens und des technischen Geräts am Grabungsort die Gärtnerei Leib in Krofdorf verantwortlich.
Nach Abschluss der Arbeiten wurden die geöffneten Flächen ordnungsgemäß verfüllt und somit der Ausgangszustand rund um die Grabgärten wieder hergestellt. Die geborgene Urne wird nach der vollständigen Restaurierung im Museum „Keltenkeller“ in Rodheim-Bieber zu sehen sein.
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